2025/Nordeuropa

Nach Finnland und Norwegen zu den Polarlichtern

1Mi, 8. Oktober 2025
Berlin - Rostock   Gedser - Bøtø
 
300 km

Start der Herbstreise! Bei Nieselregen ging es los, staufrei bis Rostock. Nachgetankt und am Warteplatz in den "Scandlines Bordershop". Eine Kuriosität. Bezahlt wird in dänischen Kronen und Getränke in Dosen wird nur an Einwohner Nordeuropas mit Nachweis verkauft, weil kein Pfand erhoben wird! Ich konnte einen Single Malt Whisky erstehen. Mit Scandlines auf der M/V Berlin ab 20.15, an 22:15 in Gedser. Noch ein paar Kilometer auf den strandnahen Übernachtungsplatz.

2Do, 9. Oktober 2025
Bøtø - Roskilde - Malmö - Lomma
 
220 km

Die erste Nacht im neuen Auto war sehr schön, ich habe gut geschlafen. Nach einem kleinen Strandspaziergang bei strahlendem Sonnenschein ging es auf Nebenstraßen bis Roskilde, eine kleinere Stadt, verschlafen und dänisch nett. Weiter auf der Öresundbrücke bis Malmö. Wenig Verkehr, dank Online-Ticket zügig durch die Mautstelle mit Kennzeichenerkennung, danach ein schwedischer Grenzer, der mehr Interesse am Campingausbau als am Ausweis hatte. Er würde das auch gern machen, sei aber kein Tischler! Wir verständigten uns darauf, dass es auch mit Youtube-Videos gehen kann!  

In Malmö stand ein Besuch der Konsthall auf dem Programm. Es gibt - generell ohne Eintritt - Wechselausstellungen, zurzeit zum Thema "Speaking Volumes". Sechs unbekanntere Künster und ein Rückblick auf 50 Jahre Kunsthalle waren zu sehen. Das Thema habe ich zwar nicht richtig verstanden, aber ein hübsches Ausstellungsplakat gab es als erstes Souvenir. Stellplatz etwas außerhalb an einem Jachthafen.

3Fr, 10. Oktober 2025
Lomma - Norrköping
 
469 km

Nach kleinem Morgenspaziergang am Jachthafen viele Kilometer durch Südschweden bis zum nächsten Jachthafen in Norrköping.

4Sa, 11. Oktober 2025
Norrköping - Grisslehamn   Eckerö - Hammarland
 
297 km

Ein weiterer Fahrtag durch Schweden bei strahlendem Sonnenschein bis zur Fähre mit Eckerölinjen bis Grisslehamn, ab 15:00, an in Eckerö um 17:00 bzw. 18:00 finnischer Zeit. Jetzt also die zu Finnland gehörenden schwedischsprachigen Åland-Inseln! Der Stellplatz an der Ostsee sieht wegen der vielen Inseln des Archipels eher aus wie ein Platz am See, sehr hübsch, die nahegelegene Straßenbrücke störte wie erwartet gar nicht - keinerlei Autoverkehr in der Nacht.

Die Heizung brummt, nachts sind es immernoch um die 10 °C, da muss ich nicht durchgängig heizen. Es kam aber ein ordentlicher Sturm auf, da schaukelte das Auto ganz schön. 

5So, 12. Oktober 2025
Hammarland - Nåtö
 
44 km

Es ist weiterhin stürmisch, statt Wandern per Fuß oder Rad lieber mit Auto. Eingelebt mit Kochen, Lesen, Videos gucken. 

6Mo, 13. Oktober 2025
Nåtö - Bomarsund
 
58 km

Schreck in der Morgenstunde: Alditalk ist einen Tag früher abgelaufen, als ich dachte. Kein Netz und deshalb auch keine Möglichkeit, ein neues Jahrespaket zu buchen. In der Not konnte ich mir mit der SIM-Karte aus dem GPS-Tracker behelfen, Alditalk aufladen und jetzt ist wieder ein Jahr Ruhe.

Tag der Besichtigungen: Erst die Haupt-"Stadt" Mariehamn, sehr übersichtlich. Im Einkausfzentrum vor der Stadt konnte ich eine Spülschüssel erstehen, da der Stöpsel in der Spüle nicht dicht hält (Dometic!). Nächster Stopp Kastelholms Slott mit Schloss und Freilichtmuseum, sehenswert, auch wenn ich nirgends hinein konnte, da die kurze Saison hier schon zuende ist. Nun noch nach Bomarsund. Hier wurde in russischer Zeit 1830 eine Festung erbaut, aber noch nicht ganz fertig, wurde sie durch Franzosen und Briten 1856 bereits wieder zerstört. Seit dem ist das Archipel - bis heute - entmilitarisiert und wurde mit Finnlands Unabhängigkeit von Russland 1919 autonom.

Noch ein paar hundert Meter weiter steht der Notvikstornet. Ein schöner Platz für die Nacht.

7Di, 14. Oktober 2025
Bomarsund - Långnäs ​  Naantali
 
66 km

Weiter stürmisch auf der Insel. Am Morgen die letzten Ruinen um mich herum besichtigt, die gehören auch noch zur russischen Festung. Im Hafen auf die Fähre "Finncanopus" gewartet. Dolles Schiff, ganz neu, alles sehr schick. Sie kam aus Schweden, legte etwas früher an und auch wieder ab. Man sollte bei Zeiten da sein! Ab 15:00 Uhr, an 19:45 Uhr. Ich habe mich in der Lounge am Fenster niedergelassen, die Aussicht auf die tausend kleinen Inselchen der finnischen Schären genossen und über Bookbeat mir erst "Der kleine Prinz" vorlesen lassen und noch Kafkas "Der Prozess" begonnen. Im Dunkeln dann den Übernachtungsplatz erreicht.

8Mi, 15. Oktober 2025
Naantali - Ruissalo
 
18 km

Erst ein ausführlicher Rundgang durch die Altstadt und entlang der Uferpromenade. Hübsche Holzhäuser, prächtige Villen, sehenswert. Der nächste Stellplatz lag in Turkus Naherholungsgebiet auf der Insel Ruissalo. Hier habe ich noch eine größere Runde zu Fuß gedreht. Der Plan für morgen war, Turku zu besichtigen ...

9Do, 16. Oktober 2025
Ruissalo - Kuusisto
 
26 km

... in der Nacht schaltete sich jedoch die Bordbatterie ab! 0%, nach kurz zuvor noch 20%. Vielleicht stimmt die Kalibrierung noch nicht. Habe dann den Gasgrill zum Heizen genommen, es wird nun nachts recht frisch.

Morgens war auch die Starterbatterie leer! Vielleicht eine falsche Einstellung im Ladebooster oder was auch immer. Mein "Kraftpaket" hat zum Starten nicht gereicht, Starthilfe von einem Pkw auch nicht. Der ACV - äußerst hlfreich und bemüht, mit mehrern Rückrufen und Nachfragen, ob alles klappt, schickte bald einen Helfer mit großem mobilen Ladebooster. Erstmal erledigt. Ich habe mir dann einen Stellplatz mit Stromanschluss herausgesucht und lade alles wieder auf. Drei Rehe kamen mich besuchen. Es ist ein großes Areal auf der Insel Kuusisto namens Villa Wolax mit Restaurant, Hotel und eben auch einigen Womo-Stellplätzen, die mit der App Matkaparkki gebucht werden können. Ich bin hier weit und breit der einzige Gast. Die Saison reicht in Finnland allgemein wohl so von Ende Mai bis Anfang September.

10Fr, 17. Oktober 2025
Kuusisto Kivimo Turku
 
181 km

Durch den Landstromanschluss also Strom im Überfluss, elektrisch geheizt, geduscht, gekocht. Frischwasser gab es auch noch, schön, ein umfangreiches Wasseranschlussset dabei zu haben!

Zunächst Tanken und Einkaufen, S-Market hat eine gewaltige Auswahl, alles top, Paprika und Auberginen aber zum Teil einzeln in Plastik verpackt. Ich konnte einige finnische Spezialitäten erstehen mit den tollsten Namen: Ruisreikäleipä - wörtlich Roggenlochbrot. Aus Sauerteig mit Loch, um es in der Küche zum Schutz vor Mäusen an die Decke hängen zu können. Könnte auch im Wohnmobil nützlich sein! Ist sehr lecker. Karjalanpiirakka - Karelische Piroggen. Roggenteig mit Milchreisfüllung. Google wusste, wie ich die im Airfryer aufwärmen kann. Mittel im Geschmack. Leipäjuusto - wörtlich Brotkäse. Soll aufgewärmt pur oder mit Moltebeerenmarmelade gegessen werden, liegt erstmal im Kühlschrank.

Aufbruch auf die Schären-Ringstraße. Sie ist nur im Sommer vollständig befahrbar, weil eine der Fähren nur in der Saison verkehrt. So war mir klar, schließlich wieder umkehren zu müssen. Die Stecke bietet schöne Panorama-Ausblicke, die sich aber schlecht fotografieren lassen. Etliche Brücken und gelbe Fähren, die zum Straßennetz gehören und deshalb kostenlos sind, verbinden die einzelnen Schäreninseln. Die kürzeste Fähre braucht nur 1 Minute, die längste 30 Minuten. 

Schon fast am Ende der möglichen Strecke auf einer winzigen Kabelfähre sprang dann das Auto nicht wieder an! So blieb ich auf dem Schiffchen, fuhr dreimal hin und her, bis es das Kraftpaket geschafft hat, dass der Motor wieder ansprang. Ich verzichtete auf den letzten kleinen Teil der Reise und kehrte lieber um, um nicht im nirgendwo zu stranden. Das ganze zog sich bis in die Nacht, da die Fähren abends nicht mehr so häufig verkehrten. Beim Warten kam ich mit einem Einheimischen über meine Batteriesorgen ins Gespräch, er empfahl mir einen Laden bei Turku, bei dem mir auch mit dem Einbau einer neuen, stärkeren Batterie - die verbaute ist wahrscheinlich zu leistungsschwach - geholfen werden kann. Ich habe mir das da dann nachts noch angesehen, es sah vielversprechend aus. Zwischenzeitlich viel mir auf, dass die Bordbatterie während der Motor läuft auch geladen wird, wenn der Ladebooster von mir deaktiviert wurde. Das war sehr verwunderlich. Vorm Schlafengehen auf einem Platz in Turku unternahm ich noch einige Versuche und Messungen, morgen früh geht's weiter.

11Sa, 18. Oktober 2025
Turku - Uusikaupunki
 
93 km

Nach dem Frühstück habe ich mit dem Voltmeter dies und das gemessen und die Schaltpläne studiert. Ein unscheinbares Batterietrennrelais zwischen beiden Batterien ist unterm Beifahrersitz verbaut. Das ist mir beim Einbau der eigenen Elektrik entgangen und schaltet nun bei laufendem Motor die Batterien zusammen. Das soll nicht sein, denn ich habe je einen anderen Ladebooster, der auch für Lithium-Batterien geeignet ist, verbaut. Also Beifahrersitz ausgebaut, das Teil ließ sich dann abklemmen und tatsächlich wird jetzt die Bordbatterie nur noch bei aktiviertem Ladebooster geladen, wie es sein soll. Das muss jetzt erst erprobt und weiter beobachtet werden, bevor ich vielleicht doch noch einen neue Starterbatterie kaufe.  

Beim Stadtrundgang fiel mir auf, wie belebt die Straßen sind, halb Turku scheint auf den Beinen, die Gaststätten alle gut besucht um die Mittagszeit. Sehenswert die alte "Kaupahalli" und der Dom, wegen einer Hochzeit aber nur von außen. Die Mülltonnen sind allesamt mit Ablagen für Pfand ausgestattet. Und Mumin begegnet einem allenthalben, auch im Porzellandesign-Laden. Ich hätte bereits in Naantali "Muminland" besuchen können ...

Dann war Zeit für die nächste Etappe, erstmal Richtung Norden bis zum Jachthafen in Uusikaupunki, was wie ich später in Erfahrung brachte, Neustadt heißt. An einem Fußgängerüberweg habe ich noch einem autonomen Postpaketzustellroboter den Vortritt gelassen und später am Stellplatz die Abendsonne genossen. Ach ja, das Außenthermometer hat in der Nacht erstmals Minustemperaturen angezeigt. 

12So, 19. Oktober 2025
Uusikaupunki - Rauma
 
81 km

Beim kleinen Morgenspaziergang am Sonntag zeigte sich der Ort von seiner verschlafensten Seite. Die Hauptsehenswürdigkeit ist der Myllymäki, der Mühlenhügel, auf dem in der 1930er Jahren mehrere Mühlen aus der Region zusammengetragen wurden. Sieht hübsch aus.

Vor der Weiterfahrt kam dann erneut das Kraftpaket zum Einsatz. Also führte mich der erste Weg am Tagesziel Rauma zum auch sonntags geöffneten Motonet-Laden mit riesigem Angebot an Kfz-Zubehör. Meine erste Wahl fiel auf eine zu große Batterie, die sich aber problemlos umtauschen ließ. Dann die passende mit 95 Ah und noch ein kleines Schraubenschlüsselset zur Montage erstanden und eingebaut. Die alte Batterie konnte ich zurücklassen. Es wäre schön, wenn's jetzt erledigt wäre!

Rauma ist ein malerisches Städtchen mit teils sorgfältig restaurierten, meist einstöckigen Holzhäusern und traditionellem Kopfsteinpflaster. Das hat sich auch gelohnt. Stellplatz wiedereinmal am Jachthafen mit Sonnenuntergang als Fensterausblick.

13Mo, 20. Oktober 2025
Rauma - Björköby
 
334 km

Das Auto sprang ohne zu Murren an! Darf so bleiben. Heute eine längere Etappe, durch Westfinnland mit Stopp in Yteri, dem mit 6 km längsten Strand Finnlands. Hier konnte ich einen schönen Strandspaziergang machen, zurück durch den angrenzenden Kiefernwald. Es folgte noch ein Abstecher bis weit raus nach Reposaari und dann die Fahrt durch die unendliche Weite des Landes auf meist schnurgerader Straße, der E8. Hinter Vaasa - hier super Entsorgung und günstiger Diesel - ging es noch ein Stück auf das Kvarken Archipel bis zur Insel Björkö, das klingt gar nicht finnisch, hier wird schwedisch gesprochen. Stellplatz am weit abseits gelegenen Fischerhafen.

14Di, 21. Oktober 2025
Björköby - Saari-Soljanen
 
262 km

Der Stellplatz ist sehr abgelegen. Es ist ein Ort in Finnland mit schlechtem Netzzugang! Gegen Mittag ging es zum Bootshafen Svedjehamn, von hier startete ich zu einem 4-km-Trail, dem Bodvatnet Runt. Hier lässt sich die immernoch mit 1 cm/a anhaltende Bodenhebung nach der Eiszeit erfahren. Das zu umrundende Gewässer war vor hundert Jahren noch Teil der Ostsee, die alten Bootshäuser stehen noch. Heute verlandet der alte Hafen. Sehr eindrücklich. Und diese neu entstandene Landschaft ist einzigartig und wunderschön. Der Weg endet am hölzernen 20-m-Turm mit schönem Panoramablick.

Zurück vom Archipel über Finnlands längste Brücke jetzt Richtung Helsinki. In Seinäjoki ist Alvar Aaltos Architektur stadtbildprägend. Mich hat die 1960er-Jahre-Architektur nicht so angesprochen. Im Supermarkt gab's die nächste Spezialität: Munkki, hier als gefüllte Minimunkki und als Rinkelimunkki, Ring mit Loch. Sie sind ausgebacken, wie Krapfen/Pfannkuchen/Berliner.

Tagesziel war der offizielle Stellplatz Saari-Soljanen im Nationalpark Seitseminen. Grandios, mit Grillhütten, Feuerstellen, Holzschuppen, im Wald und am See gelegen. Hier gab es dann auch noch zwei andere, finnische Womos.

15Mi, 22. Oktober 2025
Saari-Soljanen - Jyväskylä - Kivala
 
194 km

Nach dem Frühstück - das Müsli aktuell mit schwedischer Filmjölk, lecker - machte ich mich auf die Runde um den kleinen See durchs Moor, überwiegend auf Stegen, ein Abschnitt sogar rollstuhltauglich. Die Infrastruktur in Finnland überrascht immer wieder.

Die Fahrt durch die westfinnische Seenplatte verläuft, wie man sich Finnland so vorstellt: Birken, Kiefern, Seen. Dazu läuft noch Kafkas "Der Prozess" als Hörbuch. Schließlich angekommen in Jyväskylä, hier ist das Alvar-Aalto-Museum. Neben vielen Exponaten der Regionalgeschichte dreht es sich hier eben um jenen maßgeblichen Architekten. Seine Möbel, Vasen etc. kennen wir alle, herrliche Klassiker sind versammelt. Das hat mir im Gegensatz zur Gebäudearchitektur von Aalto richtig gefallen. Weniger dann der Shop. Es gab wieder Laubsägearbeiten, hier ein Kaffeefilterhalter für 26 € - wem soll ich so einen basteln? - aber auch Klassiker wie der berühmte Hocker E60, hier ab 248 €, Ausstellungsplakate für 43 € usw., dafür kostet der Eintritt für "seniors" nur 10 € statt 16 €.

Ich fuhr dann noch weiter zu einem Plätzchen am See kurz hinter der Stadt und schon war wieder kein Mensch mehr da.

16Do, 23. Oktober 2025
Kivala
 

Nach gut zwei Wochen heute Ruhetag. Ich kann übers Schilf auf den See gucken, lesen, kochen, putzen, planen, Musik und Hörbuch hören.

17Fr, 24. Oktober 2025
Kivala - Helsinki
 
280 km

Richtung Süden, immer am Päijänne, dem längsten und tiefsten See Finnlands, entlang bis Lahti, noch ein Stück Autobahn und Helsinki ist erreicht. 24-h-Stellplatz auf der Zoo-Insel bei scheußlich nasskaltem Nieselregenwetter.

18Sa, 25. Oktober 2025
Helsinki
 
8 km

Die Stadtbesichtugung begann mit dem Kennenlernen der Öffis in Helsinki: Kreditkarte ans Lesegerät halten und die Karte wird zum Ticket, fertig. Einfacher geht's nicht. Ich habe bei nicht so schönem Wetter, aber doch trocken, ein paar Sehenswürdigkeiten abgeklappert. Alte Markthalle, Marktplatz, Kathedrale und Dom (von außen, waren nicht zugänglich). Die Second-Hand-Läden hatten für mich nicht so das Richtige. Highlight ist die Zentralbibliothek Oodi, hier kann man sich treffen, Bücher gibt's natürlich auch, Café, Restarant, Arbeitsplätze ohne Ende. Und rappelvoll. Für mich gab es Wollsocken und auf dem Marktplatz eine von der netten Standbetreiberin persönlich gestrickte Mütze. 

Zurück am Auto, wegen der 24-h-Regel hier, noch den Stellplatz gewechselt und auf dem Handy abgelesen: 10 km zu Fuß heute.

19So, 26. Oktober 2025
Helsinki - Kotka
 
143 km

Heute Dauerbetrieb für die Scheibenwischer. Ich fahre weiter Richtung Osten, einen weiteren Helsinki-Tag gibt es wegen der Wetteraussichten nicht. Es geht auf der Landstraße entlang der Südküste, immer wieder blitzt der dunkle Granit, auf dem Südfinnland ruht, aus dem Moos hervor. In Loviisa vertrete ich mir am Hafen etwas die Beine, hübsch sanierte rote Salzspeicher säumen die Promenade. In Kotka schließlich finde ich einen Platz direkt am Wasser. Der Rest ist Kochen und Youtube-Sonntag.

20Mo, 27. Oktober 2025
Kotka - Ristiina
 
244 km

Bei etwas gnädigerem Wetter führt mich die Landstraße bis zum Kuninkaantie, dem Königsweg, einer alten Handelsstraße, die auf einem 35-km-Abschnitt als Museumsstraße ausgewiesen ist. Sie schlängelt sich hübsch durch die Wälder und an Seen entlang. In Lappeenranta große V&E, solche Einrichtungen sind rar, die ABC-Tankstellen haben manchmal sowas. In der Stadt ein wenig auf dem Festungshügel herumspaziert und die Reise entlang des Saimaa-Sees fortgesetzt. Er ist der größte See des Landes, was ihm nicht gleich anzusehen ist, das er extrem zerklüftet ist und aus unzähligen Buchten mit eigenständigen Namen besteht; die Uferlinie soll 15.000 km betragen. Hier gibt es diese typischen Finnlandbilder zu machen. Zum Glück ist es den Mücken im Oktober schon zu kalt!

21Di, 28. Oktober 2025
Ristiina - Rantasalmi
 
319 km

Weiter durchs finnische Karelien, den Saimaa meist im Blick. Gegen Mittag traute sich auch die Sonne ab und an durch die Wolken zu blitzen. In Puumala überspannt eine beachtliche Brücke den Fluss, vom Parkplatz aus konnte ich mit dem Aufzug auf die Brücke fahren und die Aussicht geniessen. Nächster Halt: weltgrößte Holzkirche in Kerimäki mit 5000 Plätzen. Von außen schon sehr beachtlich, von innen - ?

Finnland ist außerhalb der Mückensaison für den Tourismus häufig nicht geöffnet, so auch diese Kirche. Also weiter zur großartigen Olavinlinna, der Olafsburg in Savonlinna. Total verwinkelt, sensationell gut erhalten. Ich habe mich ein bisschen verlaufen. Sie besteht gerade ihr 550-Jähriges und seit über hundert Jahren gibt es im Sommer sogar Opernaufführungen. Eine der schönsten Burgbesichtigungen für mich. Abends dann ein hübscher örtlicher Womostellplatz noch ein paar Kilometer weiter. 

22Mi, 29. Oktober 2025
Rantasalmi - Kaajani
 
314 km

Auf dem Weg nach Norden lagen in Kuopio eine Sprungschanzenanlage, ein Aussichtsturm - wegen Nebels ohne Aussicht - und eine Markthalle am Weg, da gab es leckere Kekse, die nach Spekulatius schmecken. In Iisamo konnte ich ein Brauereimuseum angucken und mich in Kaajani ans Seeufer stellen.

23Do, 30. Oktober 2025
Kaajani - Lippiniemi
 
220 km

Der Oulujärvi, also der Fluss, der in Oulu mündet, bildet unterwegs einen großen See mit Insel aus. Also über die Brücke auf Manamansalo. Es gibt eine Outdoor-Kirche im Wald und einen gestreiften Stein, der zu den ältesten der Erdgeschichte gehört. Abends gab es einen Platz am Stausee.

24Fr, 31. Oktober 2025
Lippiniemi - Rovaniemi
 
492 km

Heute bin ich sehr früh aufgewacht und habe die lange Etappe bereits im Dunkeln gestartet. Bei Oulu gibt es eine Insel, auf die ich mit der Fähre gefahren bin. Nächstes Jahr werden zwei Brücken und ein Damm fertig, da hätte ich nicht fast eine Stunde warten müssen. Bei dem recht trüben Wetter war der Ausflug nicht so eindrücklich, ich bin bald wieder umgekehrt. Auf der weiteren Fahrt Richtung Polarkreis kam ich noch zu einer schönen Stromschnelle, erinnerte mich an die Schweden-Reise. Die ersten beiden Rentiere grasen am Straßenrand und als es begann, dunkel zu werden, fuhr ich zu einem weiteren Stellplatz an einem Stausee, der aber nicht sehr einladend war. Ich beschloss, noch bis in das Weihnachtsmanndorf bei Rovaniemi zu fahren. Google Maps war der Auffassung, nicht umzukehren, sonder geradeaus weiter zu fahren. Da kam nun Allrad und Differentialsperre zum Einsatz! Ein völlig aufgeweichter Waldweg, uiuiui. Das rote Auto hat alles super mitgemacht.

Erschöpft im Dorf angekommen, gab es erstmal Abendessen. Der Rundgang durch das Santa Claus Village mit Santa Burgern und vielen LEDs war wie erwartet: Viel Rummel und im abends noch geöffneten Laden alles voller Krempel. Außer mir war noch eine chinesische Familie da. Sie haben auch nichts gekauft, es wäre ja auch nur ein Re-Import nach China gewesen.

Zurück am Auto fällt mein Blick auf die Stoßstange: Das vordere Nummernschild ist weg! Nach einigen Recherchen ergaben sich drei Optionen:

1. Option: Ich fahre einfach mit einem selbstgebastelten Pappschild hinter der Windschutzscheibe weiter. Dazu fand ich heraus, dass das manchmal in Deutschland von der Polizei geduldet wird, erlaubt ist es nicht und das Auto sei ohne vollständige Kennzeichen nicht versichert. Wie das in Finnland gesehen wird, konnte ich nicht feststellen.

2. Option: Neue Kennzeichen besorgen. Das geht nur in Deutschland. Es gibt Flüge von Rovaniemi nach Berlin, kosten kurzfristig um die 800 € hin und zurück.

3. Option: Ich finde das Kennzeichen wieder. Aber nicht mehr heute im Dunkeln..

25Sa, 1. November 2025
Rovaniemi - Haparanda
 
206 km

Die Vorstellung, diese Schlammpiste noch einmal abfahren zu müssen, behagte mir zwar gar nicht, die anderen Optionen waren aber noch schlechter. Also im Hellen los. Die Strecke sah noch scheußlicher aus als gestern, das Auto hat aber wieder tapfer durchgehalten. Auf der schlechtesten Passage kein Kennzeichen zu sehen. Als der Weg wieder besser wurde, sah ich das Nummernschild: Es lag einfach mitten auf dem Weg! Eingesammelt, durchgeatmet und die Reise konnte weitergehen. Das Auto hoppelte wohl noch ärger als gestern, einiges hat es nicht in dem langen Küchenfach gehalten, die Kaffeemühle konnte dank Panzertape gerettet werden.

Es zeigte sich, dass der Schilderhalter kaputt war, ein sicheres Befestigen damit war nicht mehr möglich. Das Schild hinter die Windschutzscheibe zu legen ginge zur Not, aber vielleicht geht's auch besser. Bei Motonet in Rovaniemi hatten sie nur Halter für die kürzeren finnischen Kennzeichen, aber der sehr hilfsbereite Verkäufer hat herausgefunden, dass Clas Ohlson so etwas auch führt. Also da hin, in ein Einkaufszentrum. Ja, sie führen das, aber nicht am Lager. Dem Verkäufer war klar, hier muss geholfen werden. Es würde auch reichen, Löcher ins Nummernschild zu bohren und es dann direkt statt des Schilderhalters an die Stoßstange zu schrauben, schlug ich vor. aber ohne Bohrmaschine wird das nichts. Letztlich lieh er mir einen Akkuschrauber aus - "I trust you". Ich bohrte also Löcher, schraubte die Kennzeichen an und fertig!

Nach dieser Aktion schaute ich mich noch ein wenig im Shopping Center um und fand einen schönen Troyer aus Wolle für mich. Das hatte ich mir doch verdient!

Die angenehme Fahrt entlang des Kemijoki endete heute in Haparanda, also knapp in Schweden. Hier gibt es IKEA, da gehe ich traditionell immer hin (siehe Schweden 2020)! Es gab ein paar Badaccessoires und einen ordentlichen Stellplatz direkt bei IKEA. Zwei aufregende Tage gingen zuende.

26So, 2. November 2025
Haparanda - Levi
 
291 km

Im benachbarten finnischen Tornio gibt es im Shopping Center einen Waschsalon! Und die Nutzung ist finnlandtypisch sehr einfach: Größe der Waschmaschine aussuchen, Wäsche rein, Temperatur wählen, Kreditkarte zücken, fertig, 30 Minuten. Dann umfüllen in den Trockner, gleiches Prozedere, macht zusammen 11,40 €. Es hätte auch eine Teppichreinigungsmaschine gegeben!

Der erste Teil der heutigen Etappe führte entlang des Tornionjoki, dem längsten Wildwasserfluss Europas. Da waren wir auf der Schwedenreise 2020 auch schon, aber eben nur auf schwedischer Seite, dort Tornion Älv genannt, konnten aber wegen der Grenzschließungen nur nach Finnland herüberschauen. Die schönsten Stromschnellen heißen hier Kokkolakoski, in der Saison werden hier Felchen, die flussaufwärts schwimmen, mit Käschern auf dem Wasser geholt und am Stock gegrillt. Wieder landeinwärts folgte eine hübsche Hütte im Wald, gebaut für den Besuch des Zaren, der aber nicht kam. Dann stand das Auto mal direkt auf dem Polarkreis. Die Fahrt endete am mit über 500 m für finnische Verhältnisse schon recht hohem Levi. Hier gibt es demächst wieder Wintersport, noch ist die Schneedecke zu spärlich.

27Mo, 3. November 2025
Levi - Mihkalijärvi
 
282 km

Morgens lag der Berg vollens im Nebel und ich fuhr durch den Schneematsch auf frischstem Asphalt wieder hinunter, es soll Richtung Norwegen gehen. Drei Wege stehen zur Auswahl, ich wählte den verkehrsärmsten. Er führt durch einsame finnische Wälder, dann ist Taiga. Die Heizung hat gut zu tun, Temperaturen um 0 °C. 44 km der Strecke sind unbefestigt und schließlich erreichte ich Inari am gleichnamigen See. Der 550-Menschen-Ort ist Verwaltungszentrum eines Gebiets von der Größe Bayerns. Wichtig sind die einzige Tankstelle weit und breit sowie Siida und Sajos. Siida ist das Sami-Museum, ausgerechnet in dieser Woche wegen Wartung geschlossen. Sajos ist das samische Kulturzentrum mit Sitz des Samen-Parlaments und eines Ladens mit authentisch samischem Kunsthandwerk zu Mondpreisen. Die weitere Strecke führt entlang des 2,5 BSG(*) großen Inarisees, der sich gut hinter Bäumen versteckt. Er ist überwiegend Vogelschutzgebiet, die Ufer schilfbewachsen oder nur auf Privatstraßen erreichbar. So erreiche ich nach Sonnenuntergang gegen 15:30 Uhr Orszeit (14:30 MEZ) meinen Stellplatz an einem kleinen See mit Picknickplatz.

(*) selbst ausgedachte Maßeinheit für die Bodensee-Größe.

28Di, 4. November 2025
Mihkalijärvi - Nesseby
 
205 km

Der letzte Tag in Finnland führte durch die immer karger werdende Landschaft zur letzten finnischen Tankstelle kurz vor der Grenze in Näätämö mit einem Supermarkt, der alles, was in Norwegen teurer ist, führt. Auch Kimchi im Kühlregal !?! Auf norwegischer Seite wird die Straße asphaltiert, es geht abschnittsweise wegen Bauarbeiten nur mit dem "ledebil" voran. Jetzt ändert sich die Landschaft total, keine Bäume mehr, Felsen und bald schon mit dem Skoltefossen gewaltige Stromschnellen. Sehenswert die orthodoxe Kapelle (winzig) und die protestantische Stabkirche (riesig).

Der Abstecher nach Bugøynes war landschaftlich reizvoll, der Ort lebt heutzutage vom Fang der Kamtschatkakrabbe, die es entgegen der Reiseführerangabe jedoch nicht zu kaufen gab. Weiter am Varangerfjord entlang bis zum sehenswerten Sami-Museum in Varangerbotn und noch ein Stück auf die Varangerhalbinsel bis Nesseby zum Stellplatz. Die Sonne verschwand dann 13:40 Uhr hinterm Horizont.

29Mi, 5. November 2025
Nesseby - Kibergneset
 
104 km

Ich bin jetzt auf der "Landschaftsroute Varanger", zu der auch schon Nesseby gehört. Die Straße hat eine eigene App, bin also bestens informiert. Der Stopp bei Mortensnes dauerte unerwartet viel länger als gedacht. Es gibt ein (geschlossenes) Museum, von dem aus ein Rundweg durch eine Ausgrabungsstätte führt. Seit dem Ende der letzten Eiszeit hebt sich das Gelände allmählich wieder an, deshalb gibt es an der ältesten Küstenlinie oben auf 45 m Höhe Steinzeitliches, bis 10.000 Jahre alt, bis hin zur jetzigen Küstenlinie ein Handelshausfundament aus dem 19. Jh. Gute Infotafeln machen alles sehr anschaulich. Anders als bei griechisch-römischen Ausgrabungen ist viel Vorstellungskraft mitzubringen.

Weiter auf der Route bin ich zum Leuchtturm auf den als 4x4-empfohlenen Stellplatz am "Ostpol" Norwegens gefahren. Die Zufahrt war steinig und steil, heute also mit Allrad und Geländegängen! 

Es wird nun schon 13:30 Uhr wieder dunkel. Ich sollte hier gleich bei Sonnenaufgang gegen 8 Uhr wieder aufbrechen, wenn ich nicht im Dunkeln unterwegs sein möchte.

30Do, 6. November 2025
Kibergneset - Hamningberg - Tana bru
 
247 km

Pünktlich bei Sonnenaufgang um 8 Uhr ging es weiter auf der Landschaftsroute Varanger. Der Dolmen gilt als Anhöhe, an dem sich Hexen und Hexer(?) mit dem Satan getroffen haben sollen. Heute steht hier eine Aussichtshütte mit rosa Scheiben, damit die Vögel nicht dagegen fliegen. Angetroffen habe ich einen Einheimischen, der hier heute im Schlafsack draußen übernachtet hatte. Im Gespräch ergab sich, dass er als Architekt für diesen Bau mitverantwortlich war. Sehr fein. Die rosa Scheiben färben den blauen Abendhimmel außerdem in ein besonderes Licht, konnte ich lernen. Und es ist eine weitere Hütte am Leuchtfeuer geplant.

Am nächsten Stopp, zu dem ich nach einer ca. 3 km langen Tunnelfahrt auf die Insel Vardø gelangte, steht das Hexenmahnmal, an dem an die im 17. Jh. 91 Frauen und Männer gedacht wird, die in der Finnmark zum Tode verurteilt wurden. Sehr eindrücklich mit dauerhaft brennendem Stuhl und einem über 100 m langen Gang, an deren Wänden jeder einzelnen Person gedacht wird. Ein Booklet zum Mitnehmen gab es auch noch. Nebenan noch eine kleine Festung und dann bis zum Ende der Straße nach Hamningberg. Die Landschaft auf diesem Abschnitt ist spektakuär, siehe Bilder! Im Ort gibt es einen nagelneuen Womo-Stellplatz mit (saisonal geschlossenen) Designer-Toilettenhäuschen und einen Vogelbeobachtungsplatz, der gar nicht so einfach zu erreichen ist.

Jetzt ging es die ganze Strecke wieder zurück, kurze Stopps noch an einem weiteren Vogelbeobachtungsplatz und einem Designer-Rastplatz bis zur in wechselnden Farben beleuchteten und erst kürzlich eingeweihten neuen Tana bru. Hier ist auch ein Stellplatz mit geöffneten(!) Toiletten, Grillhütten, einer kostenlosen automatischen Waschanlage für Chemie-Toiletten und einem fantastischen Ausblick auf die Brücke. 

31Fr, 7. November 2025
Tana bru - Gamvik
 
219 km

Tanken und Einkaufen und dann ein neuer Abschnitt. Hinauf aufs karge Ifjordfjell, wieder hinunter zum Ifjord und wieder hinauf auf die Halbinsel Nordkyn. Der nördlichste Festlandleuchturm der Welt liegt im Nebel, der Parkplatz noch ein Stück weiter stellt den nördlichten Punkt des Festlands dar, der in Europa mit einem Auto erreichbar ist, sozusagen das Nordkap, das heißt hier aber nicht so. Im Sommer soll es hier auch schon recht voll sein. Jetzt hatte ich alles für mich alleine. Das Wetter hielt mich aber zunächst im Fahrzeug. Nach Sonnenuntergang dann pünktlich nach genau einem Monat Reise zeigte sich das Schauspiel: direkt aus dem Schiebefenster heraus hatte ich die beste Aussicht auf Polarlichter! Alles schön mit dem Handy geknipst, nach einer halben Stunde war es wieder vorbei.

32Sa, 8. November 2025
Gamvik - Billefjord
 
307 km

Und auch hier geht es die gleiche Strecke wieder zurück. Ein kurzer Halt am "standhaftige folk", einer Kunstinstallation - einige der Standhaftigen waren mittlerweile schon umgefallen ... Wieder von der Halbinsel Nordkyn herunter, ging es nun lange erst rechts hinunter, dann links wieder den Porsangerfjord hinauf. Kurz vorm harmlosen Stellplatz habe ich noch die versteinerten Trolle besucht. Sie vertragen kein Tageslicht, passiert es doch, versteinern sie. Ein Beleg ist hier direkt an der Küstelinie zu sehen, dank Ebbe (3 m Tiedenhub) konnte ich auch vor die  Trolle treten und Aufnahmen vor der mittäglich untergehenden Sonne machen.

33So, 9. November 2025
Billefjord - Nordkapp
 
159 km

Thema des Tages: E-06/F2. Diese Heizungsfehlermeldung hatte ich in den vergangenen Tagen ab und zu, ein Neustart half dann weiter. Heute nicht. Die Heizung läuft nicht mehr! Genug Strom für die Heizdecke war da, so kam ich durch die Nacht. Morgens dann 4 °C im Auto. Und in der Nacht hat es geschneit. Auf dem Weg zum Nordkapp ging es nahezu einsam bei aufkommendem Sturm noch vor Tagesanbruch auf die verschneite Piste. Mit Allrad und dadurch zügigen 60 km/h ging es bis zum Pförtner am Nordkapp. "Is this a camper? - "It's a van!" verschaffte mir den Zugang als Pkw, was ein paar Kronen einsparte. Das Fotoobjekt der Begierde ist der Metallglobus hier am Kap, ihn vom Parkplatz aus zu erreichen wegen des Sturms zunächst unmöglich, Böen bis 85 km/h. Beim zweiten Versuch blies mir der Sturm die Kapuze nach hinten und die schöne Mütze aus Helsinki vom Kopf, sie bleibt nun hier am Kap! 

Also Zeit, sich mit der Heizung auseinanderzusetzen. E-06/F2 heißt Ventilatorstörung, eventuell durch Kontakt mit dem Gehäuse. Youtube zeigte mir, wie jemand mit der Feile erfolgreich am Kunststoffgehäuse zugange war. Bei mir ist es ein Aluguss-Gehäuse, geht so nicht. Ich nahm den vorderen Deckel des Gehäuses ab und E-06/F2 war weg. Guten Tag, E-05, Überhitzung! Die Ventilatorluft streicht nun nicht mehr über die Heizung, sondern verliert sich im Raum. Also Deckel wieder rauf, etwas versetzt mit Panzertape fixiert und das Ding lief ein paar Stunden. Dann nochmal E-06/F2, etwas Nachjustierung des Deckels, es bleibt ein Sensibelchen.

Der Sturm ließ mittags etwas nach und die erforderlichen Beweisfotos für das Erreichen des Nordkapps konnten gemacht werden. In der Saison darf man nur noch 5 Stunden bleiben, außerhalb der Saison bis zum nächsten Tag um 12 Uhr, so mache ich es.

34Mo, 10. November 2025
Nordkapp - Alta
 
241 km

Nun wieder zurück durch die verschneite Landschaft bis zur E6, der Nordkappreisendenrennstrecke. Aber jetzt fast ohne Nordkappreisende. Tagesziel ist Alta, der Stellplatz hat direkte Sicht auf das Wahrzeichen: die Nordlandkathedrale mit ihrer Titanfassade. Auch sonst eine moderne Stadt mit Einkaufsstraße, auf der ich ein paar Weihnachtseinkäufe tätigen konnte ...

Heizung spinnt weiter. Sie fällt spontan aus, egal in welchen Szenarien, dann läuft sie mal wieder stundenlang und dann will sie wieder nicht usw.

35Di, 11. November 2025
Alta     Tromsø
 
330 km

Die Fahrt nach Tromsø ging zur Hälfte auf der E6 und weiter mit zwei Fähren auf der Nebenstrecke. Die E6 bietet hier herrlichste Ausblicke. Nach der ersten Fähre steuerte ich einen Campingplatz an, da ich bei Dauerfrost zur Sicherheit Landstrom haben wollte - die Heizung läuft ja oder sie läuft nicht. Also bei park4night die Optionen "mit Stromanschluss" und "ganzjährig geöffnet" ausgewählt. Der angezeigte Gemeindecampingplatz war vielversprechend und auch nicht ganz so absurd teuer wie viele andere. Dafür war er geschlossen. Also auch noch die zweite Fähre genommen. Bei den Wartezeiten verhielt sich die Heizung ganz brav, also habe ich es gewagt, in Tomsø einen Stellplatz ohne Strom anzusteuern, da ich nach kurzem Blick auf den Campingplatz mit seinen doofen Stellflächen dicht an dicht für über 50 € auf selbigen keine Lust hatte. Hat alles geklappt!

36Mi, 12. November 2025
Tromsø Senja
 
80 km

Auf der Fahrt durch Tromsø sieht man die Stadt gar nicht, sie ist komplett untertunnelt, auch mit unterirdischen Kreiseln, die Maut wurde von meinem Transponder erfasst. Hinter der Stadt fand ich an der Tankstelle den von park4night angegebenen Wasserhahn. Das wurde auch Zeit, die Pumpe röchelte schon. Noch ein paar Duzend Kilometer bis zum Fähranleger - schlechtes Timing. Es gibt eine Frühverbindung und dann erst erst wieder um 15 Uhr. Ein geruhsamer Tag mit lecker Essen kochen - Kürbis mit Feta aus der Heißluftfriteuse. Die Überfahrt mit 45 Minuten recht lang, die Zeit verbrachte ich diesmal nicht im Auto, es gibt einen Aufenthaltsraum. Im Dunkeln noch den Übernachtungsplatz angefahren, Heizung mäkelte erst, dann aber lief sie. 

37Do, 13. November 2025
Senja - Narvik
 
233 km

Neuschnee in der Nacht, morgens konnte ich den Parkplatz, die Straße und die Bereiche drumherum kaum unterscheiden. Der Allradantrieb schob mich zuverlässig rückwärts vom Parkplatz und ich steuerte das Auto in den Graben statt auf die Straße. Ende. Der ACV vermittelte den Bergungsdienst, der nach drei Stunden eintraf und sich zunächst entschuldigte, mich so lange warten zu lassen, aber sie hätten zuvor noch einen Lkw zu bergen, der die Hauptstraße blockierte. Für die beiden Helfer war mein Fall eine Lappalie, Winde ausgefahren, langsam gezogen. 10 Minuten, fertig. Sie hätten eine Freigabe vom ACV für 300 €, eigentlich kostet es fast das Doppelte, aber da sie das hier so auf dem Rückweg mitgenommen haben, ist es so in Ordnung.

Den Rest des Tageslichts nutzte ich für eine wunderschöne Fahrt über die Insel Senja mit atemberaubenden Ausblicken, teils auf sehr nett eingerichteten Aussichtspunkten. Auf dem angesteurten Platz auf der Insel meldete die Heizung dann E-08 - Dieselzufuhr unzureichend. Das ist, neben einem gerissenen Gummi der Auspuffhalterung, wohl eine Folge von heute morgen. Ich setzte die Fahrt im Dunkeln bis Narvik fort, der Stellplatz an der Talstation einer Gondelbahn war zugänglich, Strom für die Elektroheizung ging auch, bezahlen konnte ich aber nicht, da der Automat abgestellt war. Abends habe ich dann noch den schönen Blick auf Narvik genossen.

38Fr, 14. November 2025
Narvik
 

Am Morgen war Narvik im Schneegestöber nicht mehr zu sehen. Und es schneite den ganzen Tag weiter. Die Schneedecke wuchs - ob ich hier wieder weg komme? Nachmittags kam der Räumdienst! Aber bezahlen konnte ich weiterhin nicht. Den Ruhetag habe ich mit Lesen von Tagesspiegel und Zeit, Hören von Arto Paasilinnas "Der Mann mit den schönen Füßen" und Heinz Strunks "Kein Geld Kein Glück Kein Sprit" und Bingewatchen von "Suits" verbracht. Herrlich.

39Sa, 15. November 2025
Narvik - Borkenes
 
138 km

Trotz weiteren Neuschnees, aber dank Allradantrieb konnte ich den Stellplatz mühelos verlassen. Kühlschrank bei Rema 1000 gefüllt und die Fahrt Richtung Vesterålen fortgesetzt. Zu sehen gab es nichts, die Nebel- und Schneesuppe war undurchdringlich, die super Entsorgungsstation zwischendurch habe ich dennoch nicht übersehen! Die Marina in Borkenes stellt einen geräumten Platz für Womos mit Strom zur Verfügung, Bezahlung per App.

40So, 16. November 2025
Borkenes - Bø
 
199 km

Die Fahrt über die Vesterålen ging bei viel besserer Sicht weiter. Beim zweiten rausgesuchten Stellplatz an einer Marina gab es auch Strom. Abends klopfte noch ein Spaziergänger, der vor 20 Jahren aus Deutschland hierher ausgewandert war und auch Womo fährt, an die Tür und so plauderten wir ein Stündchen nett.

41Mo, 17. November 2025
Bø - Laukvik
 
156 km

Wieder viele schöne Kilometer und noch eine Fähre, dann war ich auf den Lofoten angekommen! Die Morgendämmerung geht ja ziemlich nahtlos in die Abendämmerung über und so ergeben sich schöne Bilder, bei denen die Sonne tiefstehend durch die Wolken schimmert. Der Stellplatzaushang besagt, dass abends jemand zum Kassieren kommt ...

42Di, 18. November 2025
Laukvik - Reineholmen
 
135 km

... was jedoch nicht eintrat. Vielleicht hatte er keine Lust bei dem Schneegestöber. Tags war die Sicht auf die Berge himmlisch. Allem voran am Aussichtspunkt Austnesfjorden. Hier gibt es einen Holzsteg, damit die Menschen nicht waghaslig über die Steine klettern, am Ende eine kleine Plattform mit Blick auf den Fjord und die Kapelle von Sildpollneset, traumhaft schön. Der (ziemlich teure) Stellplatz bot außer dem erforderlichen Stromanschluss schöne Blicke nach Ballstad und sogar eine inkludierte Waschmaschine, die mir sehr gelegen kam. Die Planung der Weiterreise ergab weiter südlich keine weiteren Stellplätze mit Strom, die vorgesehene Fähre nach Bodø fährt täglich um 8 oder um 19 Uhr. So habe ich vorgebucht für morgen abend und werde dann kurz vor Mitternacht wieder auf dem Festland sein.

43Mi, 19. November 2025
Reineholmen - Moskenes   Bodø
 
98 km

Die Fähre zurück aufs Festland ging erst am Abend und der Hafen liegt nur knapp 100 km südlich vom Stellplatz. Also breche ich in aller Ruhe auf, die letzte, die Südetappe der Lofoten steht bevor. Das Wetter gemischt, mal Schnee ohne Sicht, mal etwa Sonne und gute Sicht. Am Strand gab es sogar zwei Badende (ca. 1 Minute), ich vermute ein Event aus deren Bucketlist. Die Fähre schwach gebucht, die Reisenden und so auch ich konnten sich während der Überfahrt auf Vierer-Sitzen gemütlich ausstrecken. Nach fünf Stunden legte das Schiff um Mitternacht an, ein paar Hundert Meter bis zum Stellplatz hinter der Esso-Tankstelle, Strom angeschlossen, geschlafen.

44Do, 20. November 2025
Bodø     Hauknes
 
318 km

Ich wurde recht früh wach und hielt mich nicht lange an der Tankstelle auf, so war sie abends und morgens noch geschlossen, bezahlen also schwierig ...

Von Bodø mochte ich die Route 17 statt der E6 nehmen, immer schön an der Küste entlang.Das Wetter ähnlich wie gestern, die Aussichten schön, die beiden Fähren verkehren nur selten, so dass ich mehrere Stunden am Anleger wartete. Da wird es ohne Heizung recht frisch. Für Strom in der Nacht bog ich später von der 17 wieder ab und fand hinter Mo i Rana am Jachthafen die Steckdose. 

45Fr, 21. November 2025
Hauknes - Rennebu
 
533 km

Das war die kälteste Nacht der Reise, -13 °C, die  E-Heizung schaffte es aber dennoch, das Auto im Inneren auf +14 °C zu halten, morgens war die Wasserleitung jedoch eingefroren, vermutlich unter der Duschtasse, da ja die Dusche nicht mehr separat beheizt wird. Sogar das Tankdeckelschloss musste mit Entfrosterspray wieder gangbar gemacht werden. Zwischendurch noch ein kleiner Abstecher zum Formofossen, der halb gefrorene Wasserfall sieht sehr schön aus. Der erste Strom-Platz war geschlossen, der nächste an einem Motell (in Norwegen mit zwei L) war sowohl vom Schnee geräumt als auch mit Stromsäule ausgestattet.

46Sa, 22. November 2025
Rennebu - Åsta
 
297 km

Nach einer jetzt wieder milderen Nacht bog ich zur Route 27 ab, quer durch den Rondane-Nationalpark mit einem alten Kupferbergwerk - Touren nur im Sommer - und vielen schönen Aussichtspunkten. Der letzte zeigte den Blick auf ein Bergpanorama, das vor etwa hundert Jahren auf einem Bild, das im Osloer Nationalmuseum ausgestellt ist.

Am Nachmittag dann Quartier auf dem ersten Campingplatz der Reise gemacht. Viele Dauercamper, außer dem freundlichen Betreiber und mir aber niemand zugegen.

47So, 23. November 2025
Åsta - Fjärås
 
532 km

​Vormittags dichter Nebel, dann Dauerregen - ein Tag zum Kilometerfressen auf der Autobahn bis hinter Göteborg. Der Stellplatz gehört zum Schloss Tjolöholmen, es ist noch ein weiteres Wohnmobil da.

48Mo, 24. November 2025
Fjärås - Helsingborg   Helsingør - Faxe
 
337 km

Beim Aufbruch ist es noch dunkel, vom Schloss habe ich deshalb nichts weiter mitbekommen. Das Wetter miserabel, also Autobahn bis zur Fähre. Ich konnte eine halbe Stunde früher übersetzen als gebucht, Dauer 20 Minuten. Dann nahm ich statt der E6 den Strandvägen bis Kopenhagen. Der Küstenstreifen ist fast vollständig bebaut, hübsche Häuser säumen die Straße, sicher nicht die billigste Gegend! Der Stellplatz am Hafen von Faxe ist ganz prima.

49Di, 25. November 2025
Faxe - Gedser ​  Rostock - Berlin
 
369 km

Leichte Verspätung der Fähre, zwei Stunden Überfahrt, im Dunkeln nach Hause.

Dieselpreise

Deutschland

1,63 €

Schweden

17,29 SEK

1,58 €

Finnland

1,60 €

Norwegen

21,04 NOK

1,80 €
Kilometer
Auto


Fuß

10.486 km
214 km/Tag
130 km

Diesel (für Motor und Heizung)

1.195 l
1.998 €
1,67 €/l
11,4 l/100km

Fähren

Maut

Nahverkehr

398 €

113 €

7 €

Parken

16 €

Übernachtungen

208 €
4 €/Nacht

Kultur

28 €

Gesamtausgaben

2.768 €
56 €/Tag

Solarertrag

1.750 Wh

36 Wh/Tag